Startseite » Blog » Allgemein » Ich schwarm, sah und siegte – Oder: Wie wir unseren ersten Schwarm fingen

Ich schwarm, sah und siegte — Oder: Wie wir unseren ersten Schwarm fingen

Manch­mal ist es ein­fach unglaub­lich, wel­che Zufäl­le es gibt. Ihr erfahrt in die­sem Text, wie wir ges­tern unse­ren ers­ten Schwarm gefan­gen haben und ob wir über­lebt haben 😉

Der Schwarm wird gesichtet — Tag 1

Alles fing mit einem Anruf an. Wenn man als Imke­rin ans Tele­fon geht und den Satz: “Du kennst Dich doch mit Bie­nen aus, wir haben ein Pro­blem.” hört, weiß man schon, dass man los muss. Eini­ge Nach­barn stan­den rat­los vor ihrem Mehr­fa­mi­li­en­haus, das von Bie­nen umschwirrt wur­de. Die — zuge­ge­ben sehr effi­zi­en­te — Wär­me­däm­mung aus Lüf­tungs­schlit­zen in dem vier­stö­cki­gen Klin­ker­bau schien die Bie­nen magisch anzu­zie­hen. Ein Plan muss­te her. Erst­mal muss­ten alle Schlit­ze bis auf einen mit Loch­blech zuge­macht wer­den. Damit erhoff­te ich mir, dass die Bie­nen nur ein Flug­loch hät­ten. Wir haben uns dann mit einem gebrauch­ten Asche­sau­ger einen Bie­nen­sau­ger gebaut. Weil wir hoff­ten, dass wir damit in den Schlitz hin­ein kom­men und mit etwas Glück die Köni­gin absau­gen kön­nen.

Am nächs­ten Tag wie­der Stipp­vi­si­te beim Klin­ker­haus. Ergeb­nis: kei­ne Bie­nen. Etwas ent­täuscht zogen wir ab und gin­gen in den Gar­ten. Neben unse­rem Gar­ten befin­det sich ein cir­ca 4 Meter brei­ter und drei Meter hoher Grün­strei­fen, der an eine Fir­ma grenzt. Wäh­rend wir so im Gar­ten ste­hen, hören wir auf ein­mal ein Sum­men. Nach eini­gem Suchen fin­den wir die Mädels. Sie hän­gen mit­ten im Gebüsch.

Gabelstapler und Bienensauger — Tag 2

Natür­lich auf der Sei­te der Fir­ma. MIt­ten­drin. Und hoch. Und Brom­beer­ge­büsch. Vor dem Gebüsch gesta­pel­te Git­ter­bo­xen der Fir­ma. Super. Fir­ma zu, weil Sonn­tag. Mit dem Strom kom­men wir nicht bis dort­hin und ehr­lich gesagt auch nicht mit dem Rohr vom Sau­ger. Abschüt­teln kann man sie auch nicht. Weil man nicht drun­ter kommt. Ers­ter Schwarm, tol­le Stel­le. Also haben wir auf den Anruf­be­ant­wor­ter der Fir­ma gespro­chen. In der Hoff­nung, dass wir Mon­tag auf das Gelän­de kön­nen und irgend­wie ran­kom­men.

Bee-Busters — Tag 3

Am Mor­gen rief die Fir­ma an. Alle Mit­ar­bei­ter waren total nett und inter­es­siert. Also wur­den erst­mal die Git­ter­bo­xen mit einem Stap­ler weg­ge­fah­ren, damit man über­haupt in die Nähe des Schwarms kam.

Beim Blick ins Gebüsch stell­ten wir dann fest, dass unser Asche­sau­ger zu klein war. Also bau­ten die Mit­ar­bei­ter kur­zer­hand einen aus­ran­gier­ten Indus­trie­staub­sauger zum Auf­fang­be­häl­ter um und ver­leg­ten Strom über den Hof.

Dann wur­de ich mit­samt Bie­nen­sau­ger-Anla­ge auf dem Gabel­stap­ler Rich­tung Schwarm geho­ben und begann zu sau­gen. Auf der unters­ten Stu­fe ging das mit unse­rem Haus­halts­sau­ger erstaun­lich gut. Das Pro­blem war ledig­lich, dass ich nur von oben an die Trau­be kam. Unten war das Gebüsch so dicht, dass wir uns auch nicht trau­ten, dort frei zu schnei­den. Also sau­gen. Nach unge­fäh einer hal­ben Stun­de waren eine Men­ge Bie­nen ein­ge­saugt. Die habe ich dann in eine vor­be­rei­te­te Beu­te geschla­gen. Wenn ich die Köni­gin erwischt habe, gehen die übri­gen Mädels von allei­ne in die Beu­te hin­ter­her. Also war­ten.

Und nein, ich hat­te die Köni­gin natür­lich nicht erwischt. Also flo­gen alle Bie­nen wie­der schön ins Gebüsch. Mist.

Der Traum vom Baum — Tag 4

Am nächs­ten Tag war der Schwarm weg. Nach­dem wir uns mit “naja, wir haben zumin­dest das ers­te Mal einen Schwarm gese­hen.” und “Der hing aber auch wirk­lich schei­ße.” getrös­tet hat­ten, gaben wir vor uns selbst zu, dass wir uns ärger­ten. Hät­te man län­ger sau­gen müs­sen? Hät­te man doch ver­su­chen sol­len, das Gebüsch frei­zu­schnei­den. Hät­te es noch irgend­ei­ne ande­re Mög­li­che­keit gege­ben? Alles Mist. Und wie ich mich so ärge­re und hoch­gu­cke, sehe ich ihn. Er hängt im Baum. 7 Meter hoch. An einem Ast, der über das besag­te Gebüsch ragt. Und summt.

Mir reicht das jetzt. Ich will die­sen Schwarm. Und wenn es das letz­te ist, was ich tue ;-). Also Tele­sko­pa­st­sche­ren raus und los. Alles unter­halb des Schwar­mas­tes weg­ge­schnit­ten, Lei­ter auf­ge­stellt. Mit einem mit Blei beschwer­ten Seil haben wir erst­mal den Ast “ein­ge­fan­gen” und run­ter­ge­zo­gen. Die Bie­nen hin­gen so nur noch auf 5 Meter. Also qua­si eben­erdig. Weil die Lei­ter so blöd zu ste­hen kam, muss­te einer die Lei­ter sichern und gleich­zei­tig am Seil zie­hen. Der ande­re stand mit Was­ser­sprit­ze und Hob­bock auf der Lei­ter und war­te­te, bis die Bie­nen in Kopf­hö­he waren.

Nach­dem die Mädels nass­ge­macht wur­den, haben wir ein paar Mal am Ast geruckt und stan­den im Bie­nen­re­gen (klei­ner Tipp: Schlag­ho­sen eig­nen sich für die­se Arbeit nur bedingt, weil eine immer rein­fin­det und dann sticht. Das ist am Knie irgend­wie unan­ge­nehm…). Hob­bock zu und run­ter von der Lei­ter. Danach haben wir den Hob­bock über einer Beu­te ent­leert und gewar­tet. Und, wer hät­te es gedacht? Vier Tage Schwarm fan­gen und nur ein Stich, an dem ich selbst Schuld war.

Zuhause gefunden — Tag 5

Lan­ge Geschich­te kurz erzählt: Sie sind geblie­ben. Wir haben das Flug­loch geöff­net und sie haben die Beu­te nicht flucht­ar­tig ver­las­sen.

Also freu­en wir uns jetzt auf ein gutes Bie­nen­jahr mit den neu­en Mädels!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.